Annette Stemmann
Annette Stemmann arbeitet mit bemerkenswerter Ruhe an einer ganz eigenständigen Position, die das Universelle und das Persönliche als gleichberechtigte Mitte von Malerei behauptet. In ihren Farben liebenden, leuchtenden Bildern herrscht dabei eine rätselhafte Komplexität, die sich eindeutigen Entschlüsselungen widersetzt.

Die Künstlerin arbeitet an Bildern, teils mehrteiligen Tableaus, auf präparierten Hartfaserplatten und an Zeichnungen, welche oft deren Entwürfe darstellen aber ebenso gut alleine bestehen dürfen. Das Moment einer Sammlung und dessen innere Relationen bestimmen dabei ihre Bildkonzepte.

Eine poetische Gleichzeitigkeit ist entworfen, die in einer Übersicht mit der Bedeutsamkeit der Bildteile spielt. Die Sammlung von Eindrücken, Stadtszenen und immer wieder die menschliche Figur, teils zeichenhaft skizziert, finden sich neben Plastikfiguren, abgelegtem Spielzeug, Märchen- und Fabelwesen; Ikonen im Bereich des Alltags in Farben umgesetzt. Auf organische Weise entstehen dabei sich beeinflussende Relationen der Komposition. Wie beim Durchqueren einer Landschaft wechselt unser Blick, Eindrücke streifen uns, stärkere Bilder bleiben und lösen sich doch im Gesamten vor uns.

Annette Stemmanns Bilder operieren mit den unterschiedlichen Formulierungen, Gegenständlichkeit und Abstraktion, Ornament und Fläche, Zitat und Leerstelle. Eindrücke konkurrieren und thematisieren eine Hierarchie der Bilder ohne sie jemals auszuüben. Ihre selbstbewusste, ungebundene Arbeitsweise erscheint in gelösten Bildkompositionen evoziert, deren Zurückhaltung als ein unmerklicher Kommentar, einer mutigen Haltung im Kunst Diskurs, gesehen werden kann.

Manfred Kirschner
Ausschnitt aus "Mitte", 150 x 200 cm, 10-teilig, Acryl auf Hartfaserplatte, 2011
Ausschnitt aus "Mitte", 150 x 200 cm, 10-teilig, Acryl auf Hartfaserplatte, 2011